Die Praxis
Betrug kommt oft erst ans Licht, wenn jemand anderes mitprüft. Zum Beispiel während Urlaub, Krankheit oder einer internen Übergabe. Ein Kollege kontrolliert Zahlungen, übernimmt vorübergehend administrative Aufgaben und stellt plötzlich fest, dass hohe Beträge vom Geschäftskonto auf ein Privatkonto überwiesen wurden.
Wenn das passiert, denken Unternehmer schnell an Suspendierung, Untersuchung oder Kündigung. Das kann erforderlich sein. Aber damit ist das Geld noch nicht zurück. Auch wenn der Mitarbeiter inzwischen ausgeschieden ist, müssen Sie prüfen, wie Sie den Schaden ersetzt bekommen.
Die Frage lautet also nicht nur: Welche Möglichkeiten bietet das Arbeitsrecht? Die Frage lautet auch: Wie können Sie verhindern, dass später nichts mehr zu holen ist?
Viele Unternehmer gehen davon aus, dass sie zunächst ein langes Verfahren führen müssen, bevor sie etwas zurückerhalten. Das ist nicht immer der Fall. Manchmal kann ein Eilverfahren helfen, bereits vorab einen Teil des Schadens ersetzt zu bekommen.
Der rechtliche Punkt
Darum ging es auch in einem Eilverfahren vor dem einstweiligen Richter des Bezirksgerichts Amsterdam. Ein Arbeitgeber machte geltend, dass eine ehemalige leitende Finanzmitarbeiterin € 424.625,33 auf ihr eigenes Konto überwiesen habe. Der Arbeitgeber hatte bereits ihr Bankkonto bei ABN AMRO sowie ihren Mercedes EQA 50+ pfänden lassen.
Der Arbeitgeber beantragte, die ehemalige Mitarbeiterin zur Zahlung des gesamten Betrags zu verurteilen. Falls das zu weit ginge, wollte er zumindest einen Vorschuss erhalten. Die ehemalige Mitarbeiterin beantragte dagegen die Aufhebung der Pfändung des Mercedes, weil sie das Auto benötige, um Arbeit zu suchen.
Das Gericht sprach € 80.000 zu. Dieser Betrag entsprach dem, was zu diesem Zeitpunkt verfügbar zu sein schien: knapp € 30.000 auf dem Bankkonto und der Wert des Mercedes. Dieser Wert stand noch nicht genau fest. Außerdem wurden dem Arbeitgeber gesetzliche Zinsen und Prozesskosten von mehr als € 8.500 zugesprochen.
Eine Geldforderung wird im Eilverfahren nicht ohne Weiteres zugesprochen. Das Gericht prüft unter anderem, ob die Forderung ausreichend klar ist, ob Eilbedürftigkeit besteht und ob das Risiko begrenzt bleibt, falls später anders entschieden wird.
Warum nicht der gesamte Betrag? Weil ein Eilverfahren ein schnelles, vorläufiges Verfahren ist. Das Gericht hielt die Forderung bis zu € 80.000 für ausreichend klar und knüpfte diesen Betrag an die gepfändeten Vermögenswerte: knapp € 30.000 auf dem Bankkonto und den Wert des Mercedes. Über den Rest muss der Arbeitgeber noch ein Hauptsacheverfahren führen.
Was bedeutet das für Unternehmer?
Diese Entscheidung zeigt, dass ein Arbeitgeber nicht immer abwarten muss, bis ein Hauptsacheverfahren vollständig abgeschlossen ist. Wenn ausreichend klar ist, dass ein Schaden entstanden ist und Zugriffsmöglichkeiten bestehen, kann ein Eilverfahren helfen, bereits einen Vorschuss zu erhalten.
Gleichzeitig bleibt ein Eilverfahren ein vorläufiges Verfahren. Das Gericht wird die Höhe der Forderung, die verfügbaren Vermögenswerte und das Risiko einer später abweichenden Entscheidung kritisch prüfen. Für den verbleibenden Schaden kann weiterhin ein Hauptsacheverfahren erforderlich sein.
Für Unternehmer lautet die wichtigste Lehre daher:
Warten Sie nicht nur ab, was arbeitsrechtlich möglich ist, sondern prüfen Sie sofort auch Beweise, Pfändung und Realisierung der Forderung.
Praktische Tipps für Unternehmer
Kündigung ist oft der erste Gedanke. Aber damit ist das Geld noch nicht zurück.
Achten Sie daher auch auf Folgendes:
- Ermitteln Sie den Schaden schnell: Sammeln Sie Kontoauszüge, Zahlungsaufträge, interne Freigaben und relevante Korrespondenz.
- Prüfen Sie, wo eine Realisierung möglich ist: Denken Sie an Bankguthaben, Fahrzeuge oder andere Vermögenswerte.
- Warten Sie nicht zu lange mit einer Pfändung: Wenn Vermögen verschwindet oder übertragen wird, wird die Schadensrealisierung oft schwieriger.
- Wählen Sie den richtigen Weg: Manchmal ist ein Eilverfahren sinnvoll, um schnell einen Vorschuss zu erhalten; für den Rest kann ein Hauptsacheverfahren erforderlich sein.
- Nutzen Sie KI nur unterstützend: KI kann helfen, Informationen zu ordnen, aber Beweise, Datenschutz, Pfändung und Prozessstrategie erfordern eine rechtliche Beurteilung.
Zum Schluss
Betrug wird durch Vertrauen nicht immer verhindert, durch Kontrolle aber schneller entdeckt. Prüfen Sie deshalb regelmäßig, wer Zahlungen vorbereiten, freigeben und kontrollieren darf. Sorgen Sie außerdem für eine klare Aufgabenverteilung, Vier-Augen-Kontrolle und aktuelle Zahlungsbefugnisse.
Wenn es dennoch schiefgeht, handeln Sie schnell:
Sammeln Sie Beweise, untersuchen Sie die Fakten und besprechen Sie rechtzeitig, welche Schritte erforderlich sind, um den Schaden tatsächlich ersetzt zu bekommen.
Kontakt
Vermuten Sie Betrug oder möchten Sie schnell wissen, welche Schritte Sie ergreifen können? Warten Sie dann nicht zu lange. Wir denken gerne mit Ihnen mit, wenn es darum geht, Beweise zu sichern, Vermögenswerte zu pfänden und ein Verfahren zur Schadensrealisierung einzuleiten. Kontaktieren Sie uns unverbindlich unter info@acginter.com.